Dass die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt im April 1912 mit einen Eisberg kollidierte, und schließlich im Nordatlantik versank, ist wohl jedem bekannt. Doch wie konnte es zu diesem Unglück kommen? Und hätte es verhindert werden können?
Um diese Fragen zu beantworten, begeben wir uns zunächst auf eine virtuelle Reise ins Jahr 1912:
Mit dem Ablegen im Hafen von Southhampton am 10. April begann die erste und zugleich auch die letzte Fahrt der RMS Titanic. Am gleichen Abend machte sie ihren ersten planmäßigen Zwischenstop im französischem Cherbourg, wo weitere Passagiere zustiegen. Gegen 12 Uhr Mittags des 11. April legte die Titanic im irischen Queenstown an, und begann eine Stunde später ihren langen Weg über den Atlantik.
So weit gab es noch keine Zwischenfälle. Zumindest keine, die für den erfahrenen Captain Edward John Smith eine Bedrohung darstellten. Schließlich war er auf dem damals größten und technisch modernsten Schiff der Welt. Daher befahl er trotz diverser Eiswarnungen von anderen Schiffen eine Geschwindigkeit von 21,5 Knoten. Die folgenden Tage verliefen planmäßig. Bis hin zu jener schicksalshaften Nacht vom 14. auf den 15. April 1912.
Gegen 23:40 Uhr entdeckte Frederick Fleet im Ausguck eine schwarze Masse ca. 450 Meter vor der dem Bug Titanic – eine Strecke, die der Dampfer in rund 40 Sekunden zurücklegt.
Frederick Fleet rief die Brücke an und meldete “Eisberg hart voraus!” Der diensthabende 1. Offizier William M. Murdoch befahl “Alle Maschinen stopp!” und ließ nach hart Backboard steuern. Doch der zur Verfügung stehende Platz reichte einfach nicht aus, um das Schiff an dem Eisberg vorbei zu manövrieren. Sechsmal in elf Sekunden schlug der Schiffskörper steuerbords gegen den Eisberg. Wie aus Hochdruckrohren schoss das Wasser in die Innenräume.
Davon bekamen die allermeisten Passagiere überhaupt nichts mit. Einige Passagiere bemerkten nur den fehlenden Fahrtwind oder die plötzliche Stille. Doch die anwesenden Stewards versichterten, es sei alles in bester Ordnung. Als der zuvor in seiner Kajüte befindliche Captain Smith zwei Minuten nach der Kollision die Brücke erreichte, hatte Murdoch bereits sämtliche Schotten schließen lassen. Kurz darauf machte Captain Smith zusammen mit dem technischem Direktor und Schiffskonstrukteur Thomas Andrews einen Kontrollgang, um den Schaden zu begutachten. Bereits nach wenigen Minuten war Andrews klar: die Titanic wird untergehen.
Das Schiff würde sich bei 4 überfluteten Abteilungen noch über Wasser halten. Doch von den insgesamt 16 Abteilungen trat in den vordersten 6 Wasser ein. Pro Sekunde platschten fünf Tonnen Wasser in den Bauch des Ozeanriesen. Trotz dieser Informationen vergeudete Captain Smith mehrere Minuten damit, einige Passagiere der ersten Klasse zu informieren. Und das, obwohl etliche Stewards den selben Auftrag hatten. Erst um 0:14 Uhr betrat er den Funkraum. Doch das nächstgelegene Schiff, die SS Californian, antwortete nicht auf den SOS-Notruf. Das erste Schiff, dass den Notruf hörte, war der 58 Seemeilen entfernte Frachter Carparthia. Doch bei 14 Knoten brauchte das Schiff rund vier Stunden, um bei der Titanic anzukommen.
Erst eine knappe Stunde nachdem die Titanic den Eisberg rammte, machten Matrosen die ersten Rettungsboote klar. Doch im ersten Boot, welches für 65 Personen ausgelegt war, saßen nur 27 Passagiere. Warum? Zum einen hatten die Offiziere und selbst der Captain Angst, dass die Boote bei voller Belastung durchbrechen würden. Und zum anderen fühlten sich die allermeisten Passagiere auf dem praktisch unsinkbarem Schiff sicherer, als in einem kleinen Holzboot. Deswegen waren auch die folgenden Rettungsboote ähnlich unterbesetzt. In den ersten 5 Booten befanden sich insgesamt 164 Menschen, und 161 freie Plätze.
Um 1:15 Uhr schwappten bereits 30.000 Tonnen Wasser im Bug. Die Schräglage des Schiffes war nun nicht mehr zu übersehen; das Vorderschiff war bis zum Welldeck überspült. Plötzlich trauten sich immer mehr Passagiere in die Boote. Auch das Misstrauen der Offiziere gegen eine mögliche Überladung der Boote sank. Auf einmal saßen bis zu 70 Menschen in den Rettungsbooten. Doch diese Erkenntnis kam zu spät. Nur vier von insgesamt 18 zu Wasser gelassenen Booten waren voll besetzt. Die anderen ruderten mit insgesamt rund 500 leeren Plätzen von der Titanic weg.
Gegen 2:12 Uhr war der Großteil des Schiffes bereits unter Wasser, und das Heck begann sich aus dem Meer zu erheben. Weitere drei Minuten später hatte der Rumpf der Titanic einen Winkel von 45 Grad erreicht. Unzählige Menschen auf Deck konnten sich nirgends mehr festhalten und fielen in die Tiefe. Um 2:18 Uhr erlöschen die letzten Lichter. Unter der Wasseroberfläche brach der Luxusliner auseinander. Das nun auch an der Bruchstelle volllaufende Vorderschiff zog nun das Heck mit imenser Gewalt nach unten, wodurch das Heck immer steiler aufgestellt wurde. Schließlich rissen auch die letzten stählernen Verbindungen ab, und der Bug raste mit einer Geschwindigkeit von knapp 50 km/h in Richtung Meeresgrund. Währenddessen verweilte das Heck in seiner annähernd senkrechten Lage noch wenige Minuten, bis es gegen 2:20 Uhr schließlich in den Tiefen des Atlantiks versschwand.
Erst jetzt wurde vielen Passagieren in den Booten klar, dass bei weitem nicht alle gerettet wurden. Trotzdem kehrte zunächst kein Boot zurück. Es bestand die Angst, die Boote würden kentern, wenn zu viele auf einmal in die Boote klettern. Nur zwei von den 18 Rettungsbooten ruderten zurück, um nach Überlebenden zu suchen. Doch auch sie haben zu lange gewartet. Nur wenige konnten noch gerettet werden. Die meisten waren schon lange erfrohren.
Von den insgesamt 2.224 Menschen, die an Bord waren, überlebten nur 711 das Unglück. Knapp 1.500 Menschen verloren in dieser Nacht ihr Leben. Dazu gehören unter anderem Captain Smith, der 1. Offizier Murdoch, der Konstrukteur Thomas Andrews, und auch der damals reichste Mann Amerikas, John Jacob Astor.
Doch wie konnte es überhaupt zu einen solchen Desaster kommen? Und hätte man die Titanic kurz vor der Kollision noch retten können? Oder war das Schicksal des Schiffes schon viel früher besiegelt?
Die beispiellose Tragödie der Titanic hat nicht nur eine, sondern eine Vielzahl von Ursachen, die alle gleichermaßen zum Untergang beigetragen haben. Zum einen war es zweifellos das blinde Vertrauen in die Technik, das Captain Smith veranlasste, trotz der vielen Eiswarnungen eine derart hohe Geschwindigkeit zu befehlen. Hinzu kommt, dass im Ausguck weder Scheinwerfer noch Ferngläser vorhanden waren. Dieser Umstand machte es Frederick Fleet sehr schwer, Eisberge in der mondlosen Nacht auszumachen. Darüber hinaus waren die Matrosen mit dem Herablassen der Boote völlig überfordert. Eine solche Situation wurde vorher niemals geprobt. Zudem waren für die rund 2.200 Personen nur 1.178 Plätze in den Rettungsbooten vorgesehen. Zum Glück, könnte man sagen: Vorgeschrieben waren für ein Schiff dieser Größe nämlich nur 756 Plätze.
Doch neben diesen unumstößlichen Fakten gab es seit 1912 auch viele Theorien, die den Untergang der Titanic erklären sollen. Einige davon wurden im Lauf der Zeit entkräftet. Ein Argument, welches in der Vergangenheit immer wieder zu Sprache kam, ist dass die Schotten der Titanic zu niedrig waren. Fakt ist, dass die Schotten meist im D- oder E-Deck endeten. Deshalb, so nahm man lange Zeit an, konnte das Wasser über das E-Deck in andere, unversehrte Kammern fließen. Doch heute gehen Experten davon aus, dass der Bug in jedem Fall bis zum ersten offenen Deck (dem C-Deck) versunken wäre. Durchgehende Schotten hätten die Tragödie nur verzögert, nicht verhindert. Denn auf dem C-Deck gab es unzählige Eingänge, Luken und Lüftungsrohre, durch die das Wasser einen Weg in die nächsten Kammern gefunden hätte.
Andere Leute sind der Meinung, das Ruder der Titanic sei schlicht und ergreifend zu klein gewesen, um ein adäquates Ausweichmanöver durchzuführen. Dabei wird die Titanic gern mit den Konkurrenzschiffen Lusitania und Mauretania verglichen. Ein solcher Vergleich ist jedoch unangebracht, da beide Dampfer mit erheblichen Subventionen der britischen Regierung gebaut wurden. Im Gegenzug dazu mussten sie im Kriegsfall als Hilfskreuzer zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund hatten die beiden Dampfer der Cunard-Line schärfere Anforderungen zu erfüllen, als rein zivile Schiffe. Das Ruder der Titanic genügte selbstverständlich allen Konstruktionsrichtlinien für die zivile Schifffahrt. Eine bessere Manövrierfähigkeit des Schiffes war angesichts des Einsatzzwecks nicht erforderlich.
Auch wird Kritik an dem 1. Offizier Murdoch geübt: Er hätte erst gar nicht versuchen sollen, dem Eisberg auszuweichen, sondern ihn frontal rammen sollen. Simulationen zeigen, dass die Titanic wahrscheinlich schwimmfähig geblieben wäre. Doch sicher ist dies nicht. Letztendlich weiß niemand, was genau passiert, wenn 60.000 Tonnen Stahl mit 300.000 Tonnen Eis zusammenkrachen. Womöglich hätte es die riesigen Kessel aus ihren Verankerungen gerissen. Dies hätte die Außenhaut des Schiffes beschädigen können. Oder wäre es zu einer Kesselexplosion gekommen? Die Folgen wären verheerend gewesen. Zudem verkennen die Kritiker den psychischen Druck, unter dem Murdoch stand: Kein Schiffsführer würde den größten Dampfer der Welt tatenlos auf einen Eisberg krachen lassen.
Andere Experten meinen, er hätte zwar ausweichen, aber die Geschwindigkeit beibehalten sollen. Murdoch’s Bremsmanöver habe die Wirkung des Ruders beeinträchtigt. Dies ist zwar korrekt, doch hätte er die Geschwindigkeit beibehalten, wäre auch das Heck mehr in Richtung Steuerbord ausgebrochen. Dann hätte die Titanic den Eisberg zwar weiter hinten, jedoch mit größerer Gewalt und in einem stumpferen Winkel getroffen. Wahrscheinlich hätte sich das Schiff dann nicht einmal zwei Stunden über Wasser halten können.
Neuere Theorien geben einem Feuer in einem Kohlebunker eine entscheidende Nebenrolle auf der Bühne der Ursachen: Im Steuerbord-Kohlebunker zwischen Kesselraum fünf und sechs brach noch vor dem Ablegen in Southhampton ein Schwelbrand aus. Die damals übliche Methode in solchen Situationen war die Kohle schneller als normal in den Kessel zu schaufeln, bevor der Brand außer Kontrolle geraten kann. War dies der Grund für die unangemessen hohe Geschwindigkeit der Titanic? Niemand weiß es genau.
Eine ganz andere Theorie sieht in der Schiffskatastrophe nichts weiter als einen kalkulierten Versicherungsbetrug.
Die Olympic hatte 1911 zwei teure nicht versicherte Unfälle, und musste zurück in die Werft Harland & Wolff, wo sie neben der im Bau befindlichen Titanic lag. Dort seien die Namensschilder der beiden Schwesterschiffe ausgetauscht worden. Die notdürftig reparierte Olympic sei dann angeblich absichtlich in das schon länger bekannte Eisfeld gekracht, die Reederei habe aber die Titanic-Versicherungssumme kassiert. Eine schöne Theorie – und schnell widerlegt: In sämtlichen Wrackteilen der Titanic, die seit 1987 geborgen wurden, ist die Zahlenfolge 401 eingestanzt – die Baunummer der Titanic. Die Olympic hatte die Baunummer 400.
Auch wenn mittlerweile viele Fragen beantwortet wurden, sind andere noch immer offen. Die meisten davon werden wohl auch nie beantwortet werden. Seit 98 Jahren liegt sie südlich der Neufundlandbank, knapp 3.800 Meter unter dem Meeresspiegel, und rostet langsam vor sich hin. In 20 Jahren wird sie schon fast vollkommen zersetzt sein. Dann bleibt nur noch der unsterbliche Mythos der Titanic bestehen.
Quellen: Titanic – Der ewige Mythos, Wikipedia, P.M. und Die Legende des Jahrhunderts no 79
Euer Lord Bär

