Weitab von den Augen der Weltöffentlichkeit entstanden in den letzten Jahren dutzende Müllansammlungen mit einer Gesamtgöße von Kanada in den Weltmeeren.
Dies hat nicht nur für die Tier- und Pflanzenwelt im Ozean, sondern auch für den Menschen katastrophale Folgen.
Der Großteil des im Meer treibenden Mülls befindet sich in mehreren Tausend Kilometer großen Wirbeln im Zentrum von Meeresströmungen. Der größte dieser Art, der Great Pacific Garbage Patch, hat die Größe von Mitteleuropa, und befindet sich zwischen der Westküste der USA und Hawaii. Und täglich wird er größer. Nach Angaben des UNEP finden jedes Jahr 6,4 Millionen Tonnen Müll den Weg in die Ozeane. Pro Quadratkilometer Meer sind das 46.000 Plastikstücke, die im Wasser treiben. Diese bedeuten das Ende von jährlich 1.000.000 Seevögeln und 100.000 Meereslebewesen.
Meeresschildkröten verwechseln weiße Plastiktüten mit Quallen, wodurch ihre Verdauung blockiert; Seeotter ersticken an Sixpack-Ringen; Seevögel verschlucken Kunststoffteile, die sie nicht verdauen können; und Fische verfangen sich in den unzähligen ungenutzten Netzen. Dazu kommt der toxische Abfall wie bei Tanker-Unglücken, der Millionen Tiere tötet.
Andere Lebewesen haben sich mittlerweile an die ständige Anwesenheit des vielen Mülls angepasst, und nutzen den Müll für eigene Zwecke. So verwenden Einsiedlerkrebse Plastikflaschen anstatt Muscheln als Behausung. Auch für so manche Fische ist im Meer treibender Müll ein gutes Versteck vor Raubfischen. Doch für die große Mehrzahl der Meeresbewohner ist der allgegenwärtige Müll das Todesurteil. Auch an Stränden findet man große Mengen von Plastikmüll, dass von Tieren wie Wattwürmern gefressen wird.
Der Grund, warum über die extreme Verschmutzung der Ozeane in der Vergangenheit kaum berichtet wurde, ist wohl die Tatsache, dass das gesamte Ausmaß der Verschmutzung oft kaum sichtbar ist. Der allergrößte Teil des Plastikmülls im Great Pacific Garbage Patch befindet sich unter der Wasseroberfläche. Ein weiteres Problem ist die mit der Zeit schwindende sichtbare Größe des Mülls. “Kunststoffe werden im Wasser durch Sonneneinstrahlung und Wellenbewegungen allmählich kleiner und kleiner gemahlen, bis nur noch eine Art Pulver übrig ist”, erklärt Biologe Richard Thompson. Auf die Frage, was in den kommenden Jahren mit dem Plastik-Staub passiert, weiß selbst er keine Antwort. “Plastik gibt es erst seit etwa 50 Jahren. Und bisher haben wir keine Anzeichen dafür, dass irgendwelche Mikroorganismen es abbauen können.”
Doch auch jetzt, wo das Problem langsam publik wird, ist es noch lange nicht behoben. Die Kosten für die Beseitigung des gigantischen Müllstrudels sind schlichtweg unbezahlbar. Und kein Staat fühlt sich verantwortlich. Sämtliche Müllstrudel befinden sich außerhalb der Hoheitsgewässer der angrenzenden Staaten. Und so wird es noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Müllstrudel langsam schrumpfen werden.
In einigen Staaten gibt es jedoch schon erste Erfolge: In Austrailien werden Plastiktüten wohl bald verboten. Im pazifischen Zwergenstaat Palau müssen Reisende, die mit einer Tüte erwischt werden, einen Dollar Strafe zahlen. Noch rabiater gehen die Behörden auf Sansibar vor: Wer dort Plastiktüten einführt oder verteilt, zahlt bis zu 1560 Euro. Na immerhin…
FOCUS, diveinside.de und SPIEGEL berichten. no 78
Euer Lord Bär

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