Zwillinge gleichen sich bekanntlich wie ein Ei dem anderem. Doch bei einigen Zwillingspaaren gehen die Gemeinsamkeiten weit über die Genetik und den Charakter hinaus – sie reichen bis ins Reich des Unerkärlichen…
Die 39-jährige Barbara Herbert aus dem britischem Dover ist beim Zusammentragen der Unterlagen für ihren Pensionsanspruch zufällig auf ihre bis dato unbekannte Zwillingsschwester gestoßen. Nachforschungen durch John Stroud ergaben, dass die Wege der beiden eineiigen Zwillinge sich schon als Babys getrennt haben. Die Mutter wurde während des Studiums schwanger; gab ihre Töchter zur Adoption frei; und begang schließich 1943 Selbstmord. Die beiden Schwestern wuchsen somit voneinander nichts ahnend bei verschiedenen Familien in anderen Städten auf.
John Stroud gelang es, die verlorene Zwillingsschwester ausfindig zu machen: Daphne Goodship aus Wakefield. Bei ihrem ersten Treffen in London glaubten beide Zwillingsschwestern ihrem eigenem Spiegelbild gegenüber zu stehen. Natürlich sahen beide Frauen vom Körper her vollkommen identisch aus. Doch auch ihre Kleidung war völlig gleich: beide trugen ein beiges Kleid mit einer braunen Samtjacke. Eine Vereinbarung darüber gab es nicht. Purer Zufall! Oder doch nicht?
Als die beiden dann voneinander erzählten, kamen etliche bizarre Übereinstimmungen ans Licht. Beide Frauen arbeiteten für die jeweilige Stadtverwaltung; so auch ihre Ehemänner, welche sie im Alter von 16 Jahren beim Tanzen kennen lernten. Beide waren einst Schülerlotsen und erlitten mit 15 einen schweren Treppensturz. Sie lasen die selben Magazine und mochten die selben Autoren. Auch der Nachwuchs von Barbara und Daphne wieß deutliche Parallelen auf: Beide Frauen hatten zuerst eine Fehlgeburt, dann gebaren sie 2 Jungen und dann eine Tochter.
John Stroud registrierte insgesamt 31 Gemeinsamkeiten, die man selbst mit extremer Gedankenakrobatik nicht durch die identische DNA der Schwestern erklären kann. Und auch nach ihrem ersten Treffen gab es immer wieder unerklärliche Parallelen: Ohne vorherige Absprache kauften beide oftmals am selben Tag das gleiche Buch, oder änderten synchron ihre Haarfarbe.
Doch die beiden Schwestern aus England sind keinesfalls ein Einzelfall. Bei weitem nicht. Im Alter von 9 Jahren erfuhr Jim Lewis aus Lima von seinem Zwillingsbruder, der gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde. Dreißig Jahre später bat der die Behörden von Ohio, seinen verlorenen Zwilling zu finden. Und sie fanden ihn: Jim Springer aus Dayton, Ohio.
Auch hier wurden bei dem Treffen zahlreiche Gemeinsamkeiten aufgedeckt. Beide Brüder heirateten zuerst eine Linda; nach der Scheidung folgte dann eine Betty. Beide Ehepaare hatten einen Sohn namens Allan (Alan) und einen Hund, der auf den Namen Toy hörte. Jeder Bruder arbeitete schon mal als Hilfssheriff, Mitarbeiter von McDonalds und als Tankwart.
Darüber hinaus bastelten die beiden Jim’s in ihrer Freizeit gern Bilderrahmen und Möbelstücke, tranken das gleiche Bier, sahen gerne Stock-Car-Rennen und verabscheuten Baseball. Und beide fuhren Jahr für Jahr an den selben Urlaubsort in Florida: einem besonderem Strand, der weniger als 300 Meter lang ist.
Solche Berichte über bizarre Zusammenhänge getrennter Zwillingspaare gibt es zur Genüge. Doch wie kann man sich derartige Gemeinsamkeiten erklären? Die Genetik erklärt nur die Tatsache, dass sich eineiige Zwillinge zum Verwechseln ähnlich sehen. Einen ähnlichen Charakter und gleiche Interessen könnte man mit etwas Fantasie auch durch die identische DNA erklären. Doch die Tatsache, dass manche Zwillingspaare derart viele Gleichartigkeiten aufweißen, obwohl sie sich praktisch noch nie im Leben gesehen haben, kann man keineswegs durch die Gene erklären. Und bei der Zahl der Berichte über das Zwillingsphänomen, und die Anzahl der jeweiligen unerklärlichen Zusammenhänge lassen auch den Zufall als Grund ausscheiden. Es scheint, als ob getrennte Zwillinge durch eine Art unsichtbares Band miteinander verbunden sind…
Was glaubt Ihr? Gibt es zwischen Zwillingen eine unsichtbare Verbindung, oder sind solche Gemeinsamkeiten nur Zufall?
Rätselhafte Wirklichkeiten, ISBN 3-7844-2689-1 no 77
Euer Lord Bär
