Der Glaube an Vampire, die sich vom Blut anderer Menschen ernähren, ist in der gesamten Welt verbreitet, und hat sich über Jahrunderte bis in das größtenteils mythenbefreite 21. Jahrhundert gehalten. Doch was ist dran? Gibt es Vampire, oder kann man deren Existens ins Reich der Fabeln verweisen?
Laut einer Studie der California State University glauben rund 30 % der US-Bürger an Vampire, wie sie jedermann aus den unzähligen Vampirfilmen kennt. In nicht so zivilisierten Gegenden der Erde ist der Prozentsatz noch weitaus höher. Doch woher kommt dieser weitverbreitete Glauben an die nächtlichen Blutsauger? Um dies zu klären, widmen wir uns zunächst dem bekanntesten aller Vampire – Graf Dracula.
Doch bei dem Grafen handelt es sich sich nicht um eine reale Person, sondern um eine Figur aus Bram Stokers Roman Dracula. Das Vorbild für den Roman ist das Schloss Trigoviste in Transilvanien, Rumänien; und dessen Fürst Vlad III Draculea, der aufgrund seiner Grausamkeit auch Vlad, der Pfähler genannt wurde. Er war einer der grausamsten Herrscher seiner Zeit. Er pfählte seine Feinde und trank deren Blut. Doch das allein macht ihn noch nicht zu einem Vampir. Unter diese Kriterien wäre auch die ungarische Gräfin Bathory ein Vampir. Die Blutgräfin folterte in ihrer Burg Csejthe hunderte Jungfrauen zu Tode, um durch deren jungfräuliches Blut ihre eigene Jugend zu erhalten. Doch das alles hat mit dem mythologischem Vampirismus wenig zu tun. Doch dazu später mehr.
Wenn vor 200 Jahren ein scheinbar völlig gesunder Mensch urplötzlich starb, suchte man in einer Zeit medizinischer Unwissenheit nach einer Erklärung – und fand sie im Bereich des Übernatürlichen: “Ein Mensch kann sich noch nicht ganz vom Leben verabschieden, und um sein Dasein weiterführen zu können, braucht er das Blut der Lebenden und wird so zum Vampir.” so der damalige Glaube.
Damit es zu keiner Massenhysterie kam, exhumierte man die Körper derer, die man als Vampire verdächtigte, und untersuchte sie auf Merkmale von Vampirismus. Doch oftmals verschlimmerte eine solche Untersuchung den Aberglauben an Vampire. Denn nicht selten sahen die toten Körper im Sarg gesünder als zu Lebzeiten der Verstorbenen aus. Der Körper wirkte praller; und auch die Haut schien sich unerklärlicherweise erneuert zu haben. Doch all diese Merkmale lassen sich heute wissenschaftlich erklären. Aufgrund der Verwesung dehnten Gase im Innern den Körper auf, und glätteten so Falten. Damals allerdings wurde dies als Zeichen für Vampirismus gedeutet. Und um den vermeindlichen Vampir zu vernichten, trieb man ihm damals einen Holzpfahl durchs Herz. Dadurch entwichen die Verwesungsgase schlagartig und ließen den Körper kurz “aufstöhnen”.
Auch die Tollwut wurde vor einigen Jahrhunderten mit Vampiren in Verbindung gebracht. Möglicherweise ist diese Krankheit sogar der Ursprung des Mythos. Der Tollwutvirus wird meist durch den Biss eines Tieres übertragen und beeinflusst das Gehirn über das periphere Nervensystem. Deshalb neigen mit dem Virus infizierte Menschen häufig dazu, andere Menschen zu beißen. Darüber hinaus sorgt der Virus auch nach dem Tod für ein verzögertes Einsetzen der Blutgerinnung. So kam es desöfteren dazu, dass einem Toten Blut aus dem Mund lief, obwohl er bereits seit mehreren Tagen tot war. Doch dies sind alles missgedeutete Symtome und haben nichts mit untoten Blutsaugern zu tun.
Auch die langen Eckzähne und die Lichtmeidung von Vampiren in den Erzählungen sind medizinisch erklärbar. Aufgrund der mangelden gegentischen Durchmischung in der Abgeschiedenheit Transillvaniens entstand Porhyrieu. Bei dieser Stoffwechselerkrankung ist die Hämoglobinbildung gestört, was zu Blutarmut und extremer Lichtempfindlichkeit führt. Dies sorgt bei den Betroffenen bei direktem Sonnenlicht zu Blasen und Narben am ganzen Körper. Zudem sind die Lippen und das Zahnfleisch zurück gezogen, weshalb Zähne von normaler Größe viel größer wirken.
Etwas anderes ist es bei dem klinischen Vampirismus. Symptome sind eine starke Gier nach Blut und ein anomales Interesse am Tod. Dies äußert sich in dem Bedürfnis, beim Geschlechtsverkehr Blut zu trinken, und geht bis zum sexuellen Missbrauch von Leichen. Die Gräfin Bathory und der Fürst Vlad III Draculea fallen wohl unter diese Kategorie.
Also gibt es tatsächlich Vampire – auch wenn es sich hierbei keineswegs um Untote handelt, sondern um Menschen mit recht merkwürdigen Gewohnheiten.
Die Geschichten von Vampiren, die in der Sonne zu Staub zerfallen, und solche, die sich in eine Fledermaus verwandeln können, können wir also guten Gewissens ins Reich der Fabeln verweisen…
freenet.de no 67
Euer Lord Bär
