Im digitalen Zeitalter gibt es Handys, Computer, Notebooks, PDAs, Organizer und Navigationssysteme, die unser Leben einfacher machen. Die einen sorgen dafür, dass wir unsere Termine einhalten, und uns an das errinnern, was wir noch besorgen wollten. Andere helfen uns beim Suchen von Informationen. Und wieder andere ersparen uns stundenlanges Studieren einer Stadtkarte.
Doch die fortschreitende Digitalisierung unseres Lebens ist Fluch und Segen zugleich.
Noch vor 2.000 Jahren war die Menschheit gezwungen, jede Information im Gehirn zu speichern. Im Jahr 105 erfand der Chinese Tsai Lun das Papier und ermöglichte es so dem Menschen, einen Teil der Informationen praktisch extern zu speichern. Dadurch wurde das Gehirn entlastet, welches sich dadurch auf andere Dinge konzentrieren konnte.
Im Lauf der Jahrhunderte wurden immer mehr Informationen aufgeschrieben – seien es nun Details aus der Geschichte oder kurzzeitige Informationen. Und gerade im Zeitalter der Digitalisierung steht letzteres im Vordergrund. Durch Kalender, Organizer und Handys müssen wir uns fast gar nicht mehr an Termie errinnern. In dieser schnelllebigen Zeit ein großer Vorteil. Dadurch haben wir einen freien Kopf für wichtigere Dinge. Doch dies macht uns sehr abhängig von der Technik. Das merkt man recht deutlich, wenn man ein paar Tage ohne diese Technik auskommen muss. Vielen Menschen fällt es heutzuage schwer, sich ohne einen Organizer an wichtige Termine zu errinnern. In Fachkreisen spricht man hier von “digitaler Demenz”.
Diese “digitale Demenz” ist keineswegs ein Hirngespinst, sondern viel mehr eine evolutionäre Folge der externen Speicherung von Informationen. Das Gehirn hat sich im Lauf der Jahre vom “Errinnern” auf das “Suchen” spezialisiert. Die ist momentan ein Vorteil, aber langfristig leidet die Gehirnkapazität unter diesem Trend.
Haben Schüler aus den 40er Jahren noch seitenlange Gedichte auswendig gelernt, die sie nach Jahren noch fehlerfrei aufsagen können, so lernen heutige Schüler eher, wie man richtig nach Informationen sucht und sie wieder findet. Dies führt zur ständigen Benutzung digitaler Speicher-Medien, die das Gedächtnis praktisch auslagern. Diese Abhängigkeit von den Speicher-Medien führt in Verbindung mit Streß häufig zu Vergesslichkeit. Diese Vergesslichkeit kann nur man in den Griff bekommen, in dem man sein Gehirn auf das “Errinnern” trainiert und nur noch selten auf die Technik zurück greift.
Wie ist es mit Euch? Seid Ihr vergesslich? Wenn ja, was macht Ihr dagegen? Und was meint Ihr – Seid Ihr abhängig von der Technik?
Telepolis no 60
Euer Lord Bär
