Anno 1539 machte sich der spanische Eroberer Hernando de Soto auf, um von Florida aus das Landesinnere Amerikas zu erkunden. Was er fand, waren Indianer, die in unzähligen Dörfern und Städten lebten. Zu dem Zeitpunkt lebten in Amerika mehr Menschen, als in Europa.
Anno 1680 bereiste der französische Entdecker Cavelier de La Salle den Mississippi. Was er fand, waren weitgehend menschenleere Landstriche. Statt den Indianern fand er allerdings Millionen von Büffeln.
Was ist mit all den Indianern passiert? Und woher kamen plötzlich all die Büffel her? Archäologen und Anthropologen haben nun eine Antwort gefunden.
Das typische Bild der Indianer zeigt sie als Jäger und Sammler, die im Einklang mit ihrer Natur leben. Das ist auch in so fern korrekt. Allerdings waren die Indianer weitaus mehr, als nur Jäger und Sammler. Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass die überwiegende Mehrheit der Indianer auf Farmen und in Städten lebten. Sie hielten domestizierte Tiere, pflegten Gärten und betrieben Teiche. Und sie waren in Sachen Körperhygiene den frühen Europäern weit vorraus. Das Verwenden von Taschentüchern war den Europäern völlig fremd. Im Gegensatz dazu war das Halten von Nutztieren im eigenen Haus den Indianern völlig fremd.
Aus diesem Grund distanzierten sich die Indianer weitgehend von den Bleichgesichtern. Sie betrieben zwar Handel mit ihnen, aber der Bau fester Siedlungen wurde ihnen verwehrt. Wo die Europäer sich dennoch unerlaubt niederließen, wurden sie von den Indianern mit deren im Vergleich hoch entwickelten Waffen angegriffen. Gegen Pfeil und Bogen hatten die Europäer mit ihren langsam nachladenden Musketen nicht viel entgegen zu setzen. Die Indianer blieben die Herren über das Land ihrer Väter. Doch dies änderte sich im Jahr 1616.
In diesem Jahr sank vor der Küste von Cape Cod ein französisches Schiff. Die wenigen Überlebenden wurden in den umliegenden Stämmen aufgenommen. Mindestens ein Schiffbrüchiger hatte den Hepatitis-Virus in sich. Damit brachte er die Seuche nach Amerika. Die Indianer waren dem Virus schutzlos ausgeliefert. Fast 90 Prozent der Bewohner fielen ihr zum Opfer. Die Küste wurde entvölkert. Von diesem Umstand profitierte letztendlich auch die Mayflower mit den berühmten Pilgervätern an Bord. Diese fanden zunächst Zuflucht in einem größtenteils verlassenen Dorf.
Die wenigen Ureinwohner waren erstmals bereit, eine Allianz einzugehen. Den Fremden wurde gestattet, eine Siedlung zu gründen. Plymouth wurde so für England zum Sprungbrett nach Nordamerika.
Doch die Seuche hatte noch andere Nebenwirkungen. Die ehemaligen Felder und Weiden der Indianer wurden zu Prärien. Diese boten den Büffeln ideale Lebensbedingungen. Zudem wurden sie nicht mehr von den Indianern gejagt, da diese sich ins Landesinnere zurück gezogen haben. Aus diesem Grund gab es um 1650 ca. 60 Millionen Büffel in Nordamerika.
Doch dies ist nicht das einzige Beispiel, wie sehr das Eintreffen von einer fremden Kultur die Landschaft und die dortige Umwelt verändern kann. So war das australische Outback früher einmal ein feuchter, bewaldeter Kontinent. Als die Uhreinwohner vor 50.000 Jahren dort eintrafen, haben sie mit ihren Buschbränden eine Klimaveränderung hervorgerufen. Das Roden der dortigen Büsche hat dazu geführt, dass der Austausch von Wasser zwischen Biosphäre und Atmosphäre gestört war, was den Monsoon-Regen verhindert hatte. Der damals viel feuchtere australische Kontinent hatte sich davon nie mehr erholt und wurde schließlich zu dem, was wir heute “Outback” nennen. Natürlich veränderten die Menschen nicht nur die Landschaft, sondern natürlich auch die Artenvielfalt. Auf ihr Eintreffen folgte ein rasches Aussterben vieler Tier- und Pflanzenarten.
freenet.de und scienceticker.info berichten. no 59
Euer Lord Bär