Vor genau 107 Jahren wurde vor der griechischen Insel Antikythera ein Schiffswrack entdeckt. Darin fand man einen kleinen Gegenstand aus Bronze, der als Computer von Antikythera in die Geschichte einging.
Diesen Gegenstand dürfte es nach dem heutigen Stand der Wissenschaft überhaupt nicht geben!
Im Jahr 87 v.Chr. machte sich ein gewöhnlicher Frachter von Rhodos auf den Weg nach Antikythera. Doch er zerschellte vor der Küste der griechischen Insel. Das Schifsswrack wurde anno 1900 von Schwammtauchern entdeckt. Archäologen untersuchten das Wrack, und brachten sämtliche Güter des Frachters; größtenteils Amphoren, Marmor- und Bronzefiguren; zur weiteren Untersuchung in das Archäologische Nationalmuseum in Athen. Dort entdeckte der Archäologe Valerios Stais am 17. Mai 1902 in einem Klumpen aus korrodiertem Material ein Zahnrad. Seit dem wurde der Computer von Antikythera immer und immer wieder wurde untersucht. Doch erst im Jahr 1971 konnte man erstmals einen Blick in Innere des Bronze-Brockens werfen – mit Hilfe von Röntgen- und Gammastrahlen.
Im Innern des Bronzeklumpens befinden sich annähernd 30 Zahnräder, die unter anderem zu einem “epizyklischem Differentialgetriebe” angeordnet sind. Dieser Mechanismus gehört zu den kompliziertesten mechanischen Errungenschaften der Welt und wurde im Jahre 1575 erstmals von Leonardo da Vinci beschrieben. Erst 1828 wurde diese Technik zum Patent angemeldet und findet sich heute in jedem Fahrzeug wieder. Wie aber kann man erklären, dass diese Technik bereits auf einem Schiff aus dem ersten Jahrhundert vor Chrsitus gefunden wurde? Noch dazu auf einem gewöhnlichem Frachter; was die Vermutung nahelegt, dass dies damals kein all zu besonderer Gegenstand war; ähnlich einem Kompass heute. Darüber hinaus gibt es nirgendwo Aufzeichnungen über Herstellungsart oder -Ort; und nirgends auf der Welt gibt es ähnliche Funde.
Im Jahr 2006 machte die Suche nach dem Sinn und Zweck des Computers von Antikytherra einen großen Schritt voran: In einem Gemeinschaftsprojekt mehrerer Universitäten entdeckte man eine geschriebene Gebrauchsanweisung, die auf den Zahnrädern des Gerätes eingeritzt ist. Bisher sind über 95 % der Zeichen entschlüsselt.
Eine Skalenscheibe auf der Rückseite stellt demnach den metonischen Kalender dar. Auf der Skala der Vorderseite kann man das griechisch-ägyptische Kalenderjahr mit 12 Monaten á 30 Tagen plus fünf zusätzliche Tage (= 365!) ablesen. Darüber hinaus kann man über Zahnräder den Stand der Sonne und des Mondes einstellen. Demzufolge verfügt der Mechanismus über Vorrichtungen zur Vorausberechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen.
Als erste bekannte komplexe Rechenmaschine war der Mechanismus überraschend genau und komplexer im Aufbau als jedes andere technische Instrument in den folgenden tausend Jahren. Das technische Vermögen im antiken Griechenland muss demnach um ein Vielfaches bedeutender gewesen sein als bislang angenommen.
Aber auch wenn Sinn und Zweck des Computers von Antikythera langsam enträtselt wird, so gibt es noch immer unzählige offene Fragen: Wer oder was hatte ihn vor knapp 2.100 Jahren hergestellt? Und wie war dies zur damaligen Zeit möglich? Und weshalb gibt es nirgendwo auf der Erde ähnliche Funde?
Rätsel der Welt no 22
Euer Lord Bär
