Wahrlich ich sage Euch, so alt wird keine Sau! Denn die wird vorher geschlachtet… oder zum Tode verurteilt!
Denn nicht nur Menschen werden in einem Gericht verurteilt; auch Tiere haben das Gerichtsgebäude desöfteren in Pfoten-Schellen verlassen.
Tagtäglich werden tausende Menschen wegen aller erdenklichen Verbrechen verurteilt. Und die allermeisten wohl auch zu Recht. Was aber, wenn ein Tier unbeabsichtigt eine Tat verübt, für die ein Mensch ins Gefängnis gehen müsste? Was, wenn ein Kampfhund jemanden zerfleischt das Gesicht? Was, wenn ein Pferd ein kleines Kind tot trampelt? Was, wenn ein Bienenschwarm einen zu Tode sticht? Zur heutigen Zeit würde in den meisten Fällen der Besitzer der Tiere haften; falls es einen gibt. Doch im Mittelalter war das anders…
Vom 9. bis 19. Jahrhundert wurden allein in Europa 144 Tiere exekutiert, die man als “besessen” emfunden hatte. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Die Liste der tierischen Verurteilten ist lang: Schweine, Pferde, Heuschrecken, Fliegen, Termiten, Mäuse, Ratten, Raupen, Schnecken, Maulwürfe, Bullen und Ziegen wurden schon mal zum Tode verurteilt. Einmal wurde sogar eine Kuh der Zauberei bezichtigt, und gehängt.
Aus heutiger Sicht sind die meisten Gründe, weshalb die Tiere ins Jenseits wandern mussten, total absurd. Doch im Mittelalter; zu Zeiten großflächigen Aberglaubens; war es nur all zu leicht, andere Leute davon zu überzeugen, dass ein Tier vom Teufel besessen ist. Und dann war es ziemlich egal, was das Tier nun gemacht hat.
So wurden Vögel getötet, deren Gesang den Pfarrer ärgerte. Oder Heuschrecken, die die Felder leer fraßen. Oder Termiten, die sich an dem hölzernen Kirchturm zu schaffen machten. Im Grunde genommen taten die Tiere genau das, was sie immer tun; doch das war schon zu viel…
Natürlich gab es auch immer wieder Fälle, die einem heuzutage einleuchtend erscheinen. So wurden z.B. Esel verurteilt, die jemanden tot getrampelt haben; oder diebische Elstern, die sich des Goldschmucks der Reichen bedienten. Allerdings glaube ich nicht, dass man die Tiere damals bei ihrer Verhaftung ihrer Rechte belehrt hat. Ihr Recht auf einen Anwalt, ihr Recht zu schweigen, ihr Recht auf einen Anruf…
Verbrecherrische Tiere vor Gericht no 14
Euer Lord Bär
